Jürgen Karpinski wiedergewählt - Einstimmiger Vertrauensbeweis für den hessischen Kfz-Präsidenten

Einstimmig im Amt bestätigt:
Präsident Karpinski mit Vorstand und Geschäftsführung: v.l.n.r. Joachim Kuhn (GF), Gerald Weil, Ralf Funke, Thorsten Krämer, Jürgen Karpinski, Georg Wolf, Horst Haese, Cyril von Recum, Hans-Joachim Beranek, Roger Seidl (GF WG) (Foto: Zietz)

[20.04.2016] 

Jürgen Karpinski ist für weitere drei Jahre Präsident und Landesinnungsmeister des Kfz-Landesverbandes Hessen. Die Delegierten-versammlung des hessischen Kfz-Gewerbes bestätigte den 66-jährigen Frankfurter Unternehmer und ZDK-Präsidenten am Freitag, 15.04.2016 in Bad Orb einstimmig in seinem Amt.

Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurde der Vizepräsident des Landesverbands Hessen, Michael Kraft aus Gießen. Neu in den Vorstand wurden Thorsten Krämer aus Fulda und Cyril von Recum aus Frankfurt gewählt.

Zur 79. Mitgliederversammlung des Landesverbandes hat der Obermeister der
Kfz-Innung Gelnhausen, Bernd Paczarkowski am 15. und 16. April eingeladen.

„Es war ein starkes Autojahr, wenn Umsätze und Verkaufsvolumina die Messlatte sind“, sagte Karpinski in seiner Grundsatzrede zum hessischen Autojahr 2015, mit dem Hinweis darauf, dass mit 1,4 Prozent die Branche von einer auskömmlichen Rendite noch entfernt sei.

Der hessische Automarkt verbuchte 2015 überdurchschnittlich hohe Neuzulassungen und Besitzumschreibungen. Plus 9 und plus 4,1 Prozent würden deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,6 bzw. 3,7 Prozent liegen. Der Gesamtumsatz im hessischen Automarkt erreichte 18,7 (Vorjahr: 17,4) Milliarden Euro und damit 1,4 Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. „Ein respektables Ergebnis!“ so der hessische Präsident. Die Pkw-Neuzulassungen des Jahres 2015 aufgeteilt in die einzelnen Segmente, wären durchaus interessant. Danach habe der Diesel bundesweit um 5,9 Prozent zugelegt und in Hessen sogar um 7,7 Prozent. Mit einer Zulassungsquote von 51 Prozent bestätige sich die Diesel-Hochburg Hessen. „Das heißt, jeder zweite Neuwagen war ein Diesel. Für mich ist das ein klares Bekenntnis zum im Moment stark kritisierten Diesel“, führte Karpinski an.

Bei Elektrofahrzeugen wurde dem hessischen Automarkt mit 4.000 Einheiten ein regelrechter Zulassungs-Boom beschert. Haken dabei sei allerdings, dass ein Importeur dieses gute Ergebnis mehrheitlich in den Export gefahren hat. Das hessische Kfz-Gewerbe bleibe bei seinem Nein zur Elektro-Kaufprämie. Diese Kaufprämie sorge, wie die Erfahrungen des Jahres 2015 zeigten, lediglich für Mitnahmeeffekte. Ziel müsse es deshalb sein, die Vorbehalte der Kunden durch Produktverbesserungen und einen Ausbau der Ladeinfrastruktur auszuräumen, statt durch Geldprämien ein Strohfeuer zu entfachen.

Kritisch ins Visier nahm Karpinski das Thema Digitalisierung und die damit verbundenen Konsequenzen für Unternehmen und Verbraucher. Das Autogeschäft würde immer stärker den digitalen Veränderungen unterliegen. Bei der Digitalisierung von Produkten und Prozessen stelle sich immer drängender die Frage nach der Daten-Hoheit. Im Kfz-Handel sei die Digitalisierung längst Realität. Kunden konfigurierten neue Fahrzeuge in der Regel auf der Plattform des Herstellers. Damit stehe der Hersteller in direktem Kontakt mit dem potenziellen Kunden. Dadurch drohe das Arbeitsprinzip, nach dem der Hersteller Automobile herstellt, Handel und Service diese verkaufen und warten, aus dem Gleichgewicht zu rutschen. Karpinski warnt dabei vor einem möglichen Datenmissbrauch beim vernetzten Auto. Nach einer aktuellen Studie wollen 90 Prozent der europäischen Autofahrer, dass die Daten eines vernetzten Autos dem Eigentümer oder dem Fahrer gehören, 91 Prozent fordern eine Möglichkeit zum Abschalten der Verbindung zum Autohersteller, 78 Prozent wollen ihren Service-Anbieter selbst auswählen. Karpinski: „Das sind wegweisende Ergebnisse die wir nicht ignorieren können.“

Zum Thema Digitalisierung hatte der Verband als Referenten Dr. Joerg von Steinaecker eingeladen, der den Delegierten in einem sehr anschaulichen Vortrag die digitalen Entwicklungsschritte der im Automobilhandel und -service sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigte.

Im Werkstatt-Geschäft zeige die Bilanz gegenläufige Entwicklungen. Auftrags-Verluste privater Kunden auf der einen, Umsatz-Zuwächse auf der anderen Seite. Die Ursachen dafür seien eine Zunahme der gewerblichen Service-Kunden und von Unfallreparaturen. Positiv sei eine höhere Kundenbindung, denn 81 (Vorjahr: 80) Prozent der privaten Service-Kunden wären Stammkunden.

Vor allem Versicherungen würden auf die Werkstatt-Rendite der Kfz-Betriebe drücken. Deren Kunden könnten mittels Apps schnell ihren Schaden bei der melden. Auf Basis der übermittelten Daten würde schnell die Schadenhöhe festgelegt und ein Festbetrag angeboten werden. Der Kunde könne wählen zwischen der sofortigen Überweisung des Festbetrages auf sein Konto oder der Vermittlung an eine Partner-Werkstatt, die zum kalkulierten Preis reparieren müsse. „Was auf den ersten Blick bequem und lukrativ erscheint, kann im Nachhinein aber teuer werden“, sagte Karpinski und verwies darauf, dass Gutachter der Versicherer automatisiert oder im Schnelldurchgang auf Kosten der Gründlichkeit und damit zum Nachteil der Kunden handeln würden.

Als „realitätsfremden und unausgegoren Vorschlag, der zurück in die Schublade gehört“, bezeichnete Karpinski die geplante blaue Umweltplakette. Für über 13 Millionen Diesel-Fahrer würden die Einfahrverbote in Umweltzonen eine drastische Einschränkung ihrer Mobilität bedeuten. Wer etwa als Berufspendler auf die Sparsamkeit und Langlebigkeit des Dieselantriebs setze und die höheren Kosten durch eine entsprechend lange Nutzung amortisieren wolle, werde durch den Vorstoß der Umweltminister mit Fahrverboten und Wertverlust beim Verkauf bestraft.

Von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Albert Platz über die im nächsten Jahr stattfindenden Sozialwahlen und gab einen Einblick in die Organisationsstrukturen der BGHM, bei der die Beschäftigten des Kfz-Gewerbes unfallversichert sind.

Als besonderen Gast hatte das Hessische Kfz-Gewerbe Dr. Alexander Hartmann eingeladen. Der bekannte Comedy-Referent sprach über „Verband 2020“ und lieferte einen sehr unterhaltsamen Vortrag.

Während der Abendveranstaltung wurden Landesverbands-Vorstand Horst Haese aus Wiesbaden und Frank Maurer aus Frankenberg für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement vor allem in der Berufsbildung mit der goldenen Ehrennadel des Landesverbandes Hessen ausgezeichnet. Der Obermeister der Kfz-Innung Gelnhausen, Bernd Paczarkowski sowie sein Stellvertreter Bernd Weisbecker erhielten jeweils die Ehrennadel des Landesverbandes Hessen.

Letzte Änderung: 20.04.2016Webcode: 0105690