Tarifabschluss im hessischen Kfz-Gewerbe - Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich auf neuen Tarifvertrag

Tobias Haas, Verhandlungsführer Tarifgemeinschaft (rechts)
Josef Windpassinger, Verhandlungsführer IG Metall (links)
Quelle: Tarifgemeinschaft

[29.09.2017] Am Abend des 26. September 2017 wurde nach über 10-stündiger intensiver Verhandlung zwischen der Tarifgemeinschaft des hessischen Kfz-Gewerbes und der Industriegewerkschaft Metall (IGM) in Frankfurt ein Tarifabschluss erzielt.

Die Verhandlung wurde auf Arbeitgeberseite unter dem Vorsitz von Tobias Haas geführt. Die IGM verhandelte unter der Führung von Josef Windpassinger, Bezirkssekretär der Bezirksleitung Mitte.
„Uns ist es gelungen, mit diesem Tarifabschluss die Belange der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen zu berücksichtigen und den Kfz-Betrieben im Bundesland Hessen bis Mai 2019 sozialen Frieden und Planungssicherheit zu bringen“, sagte der Arbeitgeber-Verhandlungsführer Tobias Haas.

Vorausgegangen war die Kündigung des Flächentarifvertrages durch den Landesinnungsverband im Juni dieses Jahres. Gleichzeitig wurde eine Tarifgemeinschaft gegründet und die Tarifgespräche mit der IG Metall aufgenommen. Die IG Metall hat daraufhin in einigen Städten Warnstreiks durchgeführt, die jedoch aus Sicht der Arbeitgeber völlig unbegründet waren, denn durch die gesetzliche Nachwirkung der gekündigten Tarifverträge würden sich Änderungen im Tarifvertrag ohnehin nur auf neue Beschäftigungsverhältnisse ab 1. Oktober 2017 auswirken.

Das Verhandlungsergebnis ist ein Entgelttarifvertrag vom 1. Oktober 2017 bis 30. April 2019 mit einer Erhöhung der Entgelte ab 01.10.2017 um 2,9 % und ab 01.10.2018 um weitere 2,9 % sowie einer Einmalzahlung von insgesamt 375 Euro.

Auch die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich am 01.10.2017 um jeweils 50 Euro sowie ab 01.10.2018 um jeweils 25 Euro in allen Ausbildungsjahren.

„Damit sind wir einer Forderung der IG Metall nach einer überproportionalen Erhöhung
der Ausbildungsvergütungen gefolgt“, so Haas.

„Aber nicht nur das“, so Haas weiter, „wir haben auch eine verpflichtende Übernahme von Auszubildenden für die Dauer von 12 Monaten vereinbart. Mit der Übernahme der Auszubildenden gehen wir sogar einen großen Schritt weiter, um die Attraktivität des Ausbildungsberufes deutlich zu steigern“. Das Berufsbild des Kfz-Mechatronikers gehört zu den beliebtesten dualen Ausbildungsberufen in Deutschland.

Besonders erfreulich sei die Einführung einer Quotenregelung für 40-Stunden Verträge. „Dass wir es geschafft haben, in diesen für die IG Metall „heiligen Bereich“ einzudringen, ist als sehr großer Erfolg für die Tarifgemeinschaft zu werten und ein Ergebnis sehr hartnäckiger Verhandlungen.
Es gibt immer mehr Arbeitnehmer, die auch über die 36-Stunden-Woche hinaus arbeiten und entsprechend mehr verdienen möchten. Mit der Quotenregelung kommen wir den Bedürfnissen der Arbeitswelt in einem modernen Autohaus schon bedeutend näher“, erklärte Haas.

„Dazu gehört auch die Neuregelung von Entgeltgruppen mit niedrigeren Einstiegsstufen als bisher, was den Kfz-Unternehmen zukünftig mehr Flexibilität bei der Personalplanung gibt“, so Haas weiter.

Unter dem Motto „Autohaus Fair“ startet die Tarifgemeinschaft mit der IG Metall ein gemeinsames Projekt, das die tariftreuen Mitgliedsunternehmen der Tarifgemeinschaft in der Öffentlichkeit besonders würdigen soll.

„Wir haben einen sehr attraktiven Tarifvertrag abgeschlossen und wir werden in Kürze die Gespräche mit der IG Metall fortsetzen, um die tarifvertraglichen Regelungen weiter zu modernisieren“ so Haas, der abschließend seinen Dank an die Kollegen in der Tarifkommission richtet, ohne deren tatkräftige Unterstützung dieser Tarifabschluss in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

Letzte Änderung: 05.12.2017Webcode: 0116080