Kfz-Gewerbe Hessen: Betriebe sind von Diesel-Diskussionen extrem betroffen

Portrait Jürgen Karpinski (Quelle ZDK)

[23.04.2018] Auf der Mitgliederversammlung des hessischen Kfz-Gewerbes am 20. und 21. April 2018 in Gießen, äußerte sich Verbandspräsident Jürgen Karpinski sehr kritisch zu den anhaltenden Diesel-Diskussionen. Das Kfz-Gewerbe sei durch die nicht enden wollenden Diskussionen um Fahrverbote und Nachrüstungen extrem betroffen. Auf den Höfen der Händler stünden mehrere hunderttausend kaum verkäufliche Fahrzeuge und die Kostenbelastung nehme aufgrund langer Standzeiten und zahlreicher Leasing-Rückläufer zum Teil dramatische Züge an.

Das Fahrverbotsurteil von Leipzig hätte zur weiteren Verunsicherung der Verbraucher beigetragen. „Was aus Sicht unserer Betriebe komplett in den Hintergrund tritt, ist die sinnfreie Verschrottung vieler zehntausend recht junger Diesel-Fahrzeuge, befeuert durch die Umtauschprämien der Hersteller. Diesel sind robuste, sparsame Fahrzeuge, die von ihren Haltern lange genutzt werden – oft über das aktuelle Durchschnittsalter von 9,4 Jahren hinaus“, erklärte Karpinski mit deutlichem Hinweis in Richtung große Koalition.

„Wir brauchen eine Nachrüst-Verordnung für ältere Diesel, insbesondere für die rund sechs Millionen Euro 5-Fahrzeuge. Nur so lässt sich der dramatische Wertverlust, den die Autobesitzer, aber auch die Händler erleben, in den Griff bekommen.“ Dass die Hardware-Nachrüstung technisch funktioniere, hätten Tests der Zulieferer und des ADAC mit unterschiedlichen Systemen bewiesen. Jetzt müssten sich die politisch Verantwortlichen, aber auch die Hersteller und Importeure klar dazu bekennen.

Als „vollen Erfolg für das Kfz-Gewerbe“ bezeichnete Karpinski die Vergütung von Aus- und Einbaukosten. Seit dem 1. Januar könnten die Betriebe von den Lieferanten nicht nur neues Material verlangen, sondern auch die Aus- und Einbaukosten in Rechnung stellen, wenn ursprünglich ein defektes Teil geliefert worden war. „Das ist ein Meilenstein unserer Lobbyarbeit als Verband!“ so Karpinski wörtlich.

 Auch bei den Rundfunkgebühren lässt das Kfz-Gewerbe nicht locker. So hat ein baden-württembergischer Autohausunternehmer mit Unterstützung des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe und dessen Landesverband nun beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen die Rundfunkbeiträge für Vorführwagen eingelegt. Dazu Karpinski: „Dass eine Handelsware mit einem Rundfunkbeitrag belegt wird ist nicht nachvollziehbar. Dagegen wehren wir uns bis in die höchste Instanz.“

Horst Haese, Vorstandsmitglied des Landesverbandes, stellte in seinem Vortrag zur Berufsbildung die Ausbildungszahlen im Kfz-Gewerbe vor. Mit 1.527 Neuverträgen zum Kfz-Mechatroniker zum Stichtag 01.09.2017 hätte das hessische Kfz erneut ein Rekordjahr hingelegt.

Rekordverdächtig seien auch die Automobilkaufleute mit 378 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Hierzu würde die in 2017 in Kraft getretene neue Ausbildungsverordnung beitragen, die in hohem Maße auf die steigenden Anforderungen an digitalisierte und vernetzte Prozesse in Autohaus und Werkstatt eingehe.

Ein ebenso erfreuliches Thema sei die von der hessischen Landesregierung beschlossene Meisterprämie. Angehende Meisterschüler können ab 2018 mit einem Zuschuss von 1.000,- Euro rechnen. Aufgrund der unterschiedlichen Förderhöhe in den Bundesländern hätten sich die Handwerksorganisationen dafür ausgesprochen die Zuschüsse bundeseinheitlich zu gestalten und den Zentralverband des Deutschen Handwerks aufgefordert sich hierfür stark zu machen.

Zum Tagesordnungspunkt Berufsbildung stellte Joachim Syha, Technischer Referent beim Zentralverband, die Onlineprüfung in einer Praxisdemonstration dar.

Als besonderen Gast hatte das hessische Kfz-Gewerbe Axel Haitzer eingeladen. Der Experte und Bestseller-Autor referierte unter dem Titel „Wer keine Fachkräfte findet ist selbst schuld“ sehr anschaulich darüber, auf welche Situationen sich Unternehmen in Zukunft einzustellen haben und welche Möglichkeiten ergriffen werden können, um geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren.

Susann Knobloch von der Firma web1on1.com, die extra aus Amsterdam zur Verbandstagung anreiste, verdeutlichte den Teilnehmern wie mittels der Chatfunktion moderne Kommunikation in jedem Betrieb umgesetzt werden kann. Mit web1on1 könne der Interessent rund um die Uhr an 7 Tagen die Woche angesprochen werden und somit zum Kunden gemacht werden.

Bei der Abendveranstaltung wurde Hans-Joachim Beranek für seine besonderen Verdienste für das Kraftfahrzeuggewerbe mit der silbernen Ehrennadel des Kfz-Gewerbes Hessen ausgezeichnet.

 

 

Letzte Änderung: 23.04.2018Webcode: 0119421