Kfz-Gewerbe Hessen: Automarkt zeigt sich robust - Umsatzplus im Autojahr 2018

Jahrespressekonferenz 2019 zu wichtigen Branchenthemen mit Pressesprecher Roger Seidl, Präsident Jürgen Karpinski, Vizepräsident Michael Kraft und Geschäftsführer Joachim Kuhn (v.l.n.r.).
Foto: Landesverband Hessen

[01.03.2019] Das Autojahr 2018 kann in die hessische Automobilgeschichte als eines der turbulentesten und wechselhaftesten eingehen. Diesel-Debatte, WLTP-Wirrungen, Fahrverbote, Hardware-Nachrüstung, Kaufprämien und der Restwerte-Verfall bei Diesel-Pkw bestimmten das Klima der individuellen Mobilität mit der Folge, dass in Hessen knapp 11.000 neue und gebrauchte Pkw im Jahresvergleich weniger verkauft wurden. Dennoch stieg der Gesamtumsatz um 2,1 Prozent an. Das Volumen der Autokäufe ist um 1,2 Prozent gesunken.

Im Automarkt Hessen wurde im Jahr 2018 mit dem Verkauf neuer und gebrauchter Pkw und Lkw sowie dem Service ein Gesamtumsatz von 21,1 Milliarden Euro erzielt. Der Anteil der 4.400 Kfz-Meisterbetriebe in Verkauf und Service sank auf 73,7 (Vorjahr: 74,6) Prozent. "Wir können weder mit der Qualität noch mit dem Volumen im Verkauf zufrieden sein, obwohl sich der Markt als robust erwiesen hat", bilanzierte Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Landesverbandes Hessen. Besonders schmerzhaft sei für die Branche die gesunkene Umsatzrendite, die nach 1,6 Prozent im Autojahr 2017 nach vorläufigen Erhebungen nunmehr 1,2 Prozent betrage. Wörtlich: "Die Verbotsdebatten und noch immer nicht geklärte Fragen um Grenzwerte und Hardware-Nachrüstung haben unsere Geschäfte stark belastet. Verbraucher und Kfz-Gewerbe sind gleichermaßen verunsichert. Der Unmut wächst!" 

Vor Journalisten in Wiesbaden sagte Karpinski, im Automarkt in Hessen seien 918.098 (Vorjahr: 928.955) Autokäufe, davon 366.173 Pkw-Neuzulassungen und 551.925 Besitzumschreibungen verbucht worden. Die Neuzulassungen seien um 1,1 Prozent gesunken, während Gebrauchte mit minus 1,2 Prozent beim Rückgang auf Bundesniveau gelegen hätten. Verlierer des Autojahres 2018 sei, wie erwartet, der Diesel-Pkw, der 8,3 (Vorjahr: 3,3) Prozent im Geschäft mit gebrauchten und 18,8 (Vorjahr: 12,0) Prozent im Verkauf neuer Pkw überdurchschnittlich eingebüßt habe.

 

Die Neuen im Plus

Der Neuwagenmarkt habe einen Umsatz von 11,5 (Vorjahr: 11,4) Milliarden Euro erreicht. Dies sei ein Plus von 0,9 Prozent. Der Umsatz des Automobilhandels liege bei 7,34 (Vorjahr: 7,29) Milliarden Euro. Der durchschnittliche Preis eines Neuwagens sei von 30.660 Euro auf 31.270 Euro gestiegen. Karpinski sagte, der deutlich höhere durchschnittliche Preis resultiere vor allem aus Veränderungen in den Modellsegmenten und Mehrausstattungen, zum Beispiel Assistenz-Systemen. So sei das Segment der SUV auf 27,8 (Vorjahr: 24,4) Prozent gestiegen.

Hessen bleibe unverändert ein Automarkt mit einem geringen Anteil privater Käufer im Neuwagenmarkt. Nach vorläufigen Zahlen seien rund 27 Prozent aller Neuwagen und 95 Prozent aller Gebrauchtwagen von privat erworben worden.

 

Alternative Antriebe im Kommen 

Neuwagen mit alternativen Antrieben hätten einen Anteil von 4,7 (Vorjahr: 3,0) Prozent erreicht. Die Quote der Elektro-Pkw liege bei 1,3 (Vorjahr: 1,0) Prozent. Dies entspreche 4.741 Neuzulassungen. Der Automobilhandel bereite sich auf eine wachsende Zahl von E-Fahrzeugen insbesondere ab dem Jahr 2020 vor, sagte Michael Kraft, Vizepräsident des Kfz-Landesverbandes Hessen. Es sei mit steigender Angebotsvielfalt auch im deutschen Markt zu rechnen. Dafür müsse das Kfz-Gewerbe investieren – etwa in Aus-und Weiterbildung, aber auch in Kundenberatung, bezogen auf Ladestationen.

 

Minus bei den Gebrauchten

Im hessischen Gebrauchtwagenmarkt sei ein Minus von 1,2 Prozent auf 551.925 Halterwechsel quantitativ in Ordnung, doch der Marktanteilsverlust im Handel belastete die Jahresbilanz. Die Verkäufe von Benzinern mit plus 2,2 Prozent seien ein Lichtblick, bei Diesel-Pkw hingegen habe man Verluste von 8,3 Prozent hinnehmen müssen.

Der durchschnittliche Preis eines Gebrauchtwagens sei im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 11.870 Euro gestiegen.

Die Entwicklung der Quote in den Jahren 2016 bis 2018 verdeutliche die Auswirkungen der leidigen Diesel-Debatten. Bei den Neuzulassungen sei die Quote von 49 Prozent im Jahr 2016 auf 33,8 Prozent im Vorjahr gesunken. Karpinski: "Das sind Einbußen von rund 50.000 Verkäufen in drei Jahren." In einem Flächenland wie Hessen, insbesondere im nördlichen Landesteil, könnten bei allen kontroversen Debatten über eine Mobilitätswende keine Zweifel bestehen, dass das Automobil im ländlichen Raum ohne "öffentliche Alternative" sei. Es sei daher töricht, das Automobil in die Ecke des Umweltverschmutzers stellen zu wollen, ohne dafür eine faktensichere Basis zu haben. Karpinski lehnte alle Bestrebungen zur Verteuerung der individuellen Mobilität ab, wie sie jüngst von der Regierungskommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" gefordert worden sei. "Wir Autofahrer bezahlen heute bereits mehr als genug", sagte er. Ebenso erteilte Karpinski der Forderung nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen eine klare Absage. Wörtlich: "Wenn Argumente fehlen, folgt die Generalattacke. Solche Nebelkerzen können nicht verschleiern, dass für eine Verkehrswende noch immer kein Gesamtkonzept vorliegt.“

 

Starker Lkw-Markt 

Der hessische Nutzfahrzeugmarkt habe seinen positiven Trend aus dem Jahr 2017 auch 2018 fortsetzen können, sagte Kraft. In Zahlen ausgedrückt wären 44.487 Transporter, also leichte Nutzfahrzeuge mit zulässigen Gesamtgewichten von bis zu 6 Tonnen neu zugelassen worden. Das entspreche einer Steigerung von 7,0 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 (41.582). Bei den gebrauchten Transportern wären 45.033 Besitzumschreibungen erfolgt und damit 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr (43.819). Bei den neuen Lkw sei eine hohe Steigerung von 15,8 Prozent auf 5.821 Lkw (2017: 5.027) zu verzeichnen. Bei den gebrauchten Lkw stünden 4.108 Besitzumschreibungen zu Buche (Vorjahr: 4.043) Das entspreche ebenfalls einem Plus von 1,6 Prozent. Der Gesamtumsatz mit neuen und gebrauchten Lkw betrage 875,5 Millionen Euro. „Gegenüber 2017 mit 833 Millionen Euro Umsatz bedeute das eine Umsatzsteigerung von 43 Millionen Euro und erfreulichen 5,1 Prozent“ sagte Kraft wörtlich.

 

Service mit Umsatzplus 

Um 4,7 Prozent sei der Umsatz in den Servicebetrieben gestiegen. Der Umsatz für Wartung und Reparatur sowie Unfallreparatur sei auf 2,3 (Vorjahr: 2,2) Milliarden Euro gestiegen. Maßgeblich zum Umsatzplus beigetragen habe das expansive Geschäft der Unfallreparatur.

Kraft sagte in diesem Zusammenhang, die Technische Fahrzeugüberwachung mit den auf die anerkannten Kfz-Meisterbetrieben übertragenen hoheitlichen Aufgaben erlebe nachhaltige Veränderungen. Um diesen Geschäftsbereich zu stabilisieren, seien kurzfristig erhebliche Investitionen, unter anderem in Bremsenprüfstände und Messgeräte sowie den Prüfplatz für die Scheinwerfereinstellung erforderlich.

 

Ausbildungs-Bilanz

"Im Wettbewerb um den Nachwuchs könne das Kfz-Gewerbe seit nunmehr fünf Jahren steigende Ausbildungsverhältnisse verzeichnen." Mit diesen Worten legte Kraft die hessische Ausbildungsbilanz vor. In Hessen haben 1.542 (Bund: 23.415) neu angehende Kfz-Mechatroniker/innen in der Branche ihren Platz gefunden. Das ist ein Zuwachs von 1,0 Prozent (Bund: 5,4 Prozent). Der Autoberuf „Automobilkaufmann/frau“ verzeichne in Hessen ebenfalls ein Plus von 1,6 Prozent (Bund: 2,9 Prozent). In diesem Beruf wurden 384 (Bund: 5.445) neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Bundesweit bilde das Kfz-Gewerbe über 93.000 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus (Hessen: 6.500). Darüber hinaus biete die Branche zahlreiche Möglichkeiten der Weiterbildung für eine erfolgreiche Karriere, etwa zum selbstständigen Kfz-Meister oder zur Führungskraft im Autohaus oder in einer Meisterwerkstatt.

 

Kfz-Gewerbe für Gesetzänderung

In der aktuellen, kontrovers diskutierten Sachlage über Grenzwerte und Tempo-Beschränkungen sagte Jürgen Karpinski, es sei unverzichtbar, schnelle Lösungen und Entscheidungen zu treffen, um die aus den Hängepartien entstehende Unsicherheit im Markt zu nehmen. Zunächst sollte umgehend die Hardware-Nachrüstung gestartet werden. Die andauernden Meinungsverschiedenheiten über die Höhe von Grenzwerten zeigen, dass nur eine wissenschaftlich fundierte Festlegung von Grenzwerten einer kritischen Hinterfragung standhalten kann. Das Kfz-Gewerbe habe sich frühzeitig dafür ausgesprochen, Grenzwerte dann auszusetzen, wenn das wissenschaftliche Fundament nicht stabil sei und es eine ausreichende Datengrundlage für einen Langzeitgrenzwert nicht gebe. Das Kfz-Gewerbe unterstütze und begrüße die Pläne der Bundesregierung, mit dem novellierten Immissionsschutzgesetz für "leichte Grenzwertüberschreitungen" eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Nachdem Brüssel bereits klargestellt hat, dass leichte Grenzwertüberschreitungen nicht zwangsläufig sofort Fahrverbote zur Folge haben müssen, liegt der Ball nun in Berlin. Noch im März sollte entschieden werden.

Karpinski wies auch auf den Einsatz synthetischer Kraftstoffe hin. Nach Berechnungen eines Beratungsunternehmens (Economic Trends Research ETR) hätten diese Kraftstoffe gute Chancen, sich am Markt zu etablieren, wenn sie in ähnlicher oder gleicher Weise gefördert würden wie die E-Mobilität. Diese sogenannten „E-Fuels“ könnten den gesamten CO2-Ausstoß eines Autos um 70 bis 80 Prozent reduzieren. Zudem würden E-Fuels keine neue Tankstellen-Infrastruktur und keine neuen Antriebe benötigen. Karpinski: „Wir brauchen eine technologieoffene Herangehensweise, um Lösungen für die individuelle Mobilität der Zukunft zu finden. Daher sollten auch synthetische Kraftstoffe entsprechende Förderung erfahren.“

 

Perspektive mit vielen Fragezeichen

Die Perspektive für das Autojahr 2019 in Hessen sei mit vielen Fragezeichen bestückt, die eine seriöse Prognose nahezu unmöglich machten. Der Jahresstart im Januar bei neuen und gebrauchten Pkw jedenfalls sei ermutigend. Nicht allein die Steigerung der Pkw-Neuzulassungen um 9,4 Prozent lasse hoffen, sondern vor allem das gestiegene Käuferinteresse für den Diesel, der im Januar um 6,8 Prozent zugelegt habe,

Bemerkenswert sei auch der Anteil der besonders schadstoffarmen Benziner und Diesel der Klasse Euro6-temp mit 89,6 und 76,5 Prozent. Dies seien wichtige Beiträge für die Aktualisierung der Luftreinhaltepläne, sagte Karpinski. Für das Autojahr 2019 erwarte man 375.000 Pkw-Neuzulassungen und ein stabiles Verkaufsvolumen "um 550.000 gebrauchten Pkw".

Letzte Änderung: 01.03.2019Webcode: 0123600