Hessisches Kfz-Gewerbe: „Gut gespielt, aber nicht gewonnen“

[05.06.2015] Fulda. Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Kfz-Gewerbe kommentierte Jürgen Karpinski, Präsident des Hessischen Kfz-Gewerbes, das vergangene Jahr mit den Worten: „Wir haben gut gespielt, aber leider nicht gewonnen“, angesichts von Rekord-Umsätzen mit gebrauchten Fahrzeugen aber unter dem Strich mit sinkenden Renditen und erstmals einem Rückgang im Werkstattgeschäft. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Milliarden-Investitionen des Autohandels in seine Standorte, sei diese Entwicklung sehr bedenklich.

Diese Situation würde durch die kürzlich bekannt gewordenen Werkstattpläne der HUK Coburg nicht gerade erleichtert werden. Die HUK Coburg will nämlich mit hohen Preisnachlässen und in der Startphase mit rund 400 freien Kasko-Select-Werkstätten ihres derzeitigen Werkstattnetzes ins Reparaturgeschäft einsteigen. „Es liegt doch in unserer Hand, dieser Entwicklung, die die Ertragssituation in unserem Gewerbe zusätzlich gefährlich unterspült, entgegenzusteuern“, sagte der Verbandschef mit dem Hinweis darauf, dass bei der Versicherungsfrage der Erstkontakt zum Kunden in den Kfz-Häusern stattfinden würde.

Zur 77. Mitgliederversammlung des Hessischen Kfz-Gewerbes hatte am 24. und 25. April, Thorsten Krämer, Obermeister der Kfz-Innung Fulda, eingeladen.

Neben den aggressiven Werbekampagnen der finanziell angeschlagenen Werkstattkette A.T.U., die sich auf „dem schmalen Grad der Legalität“ befinden würde, wurde auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, deren Abmahnverhalten gegenüber den Betrieben des Kfz-Gewerbes als „rechtlich unhaltbar“ und „unverschämt“ bezeichnet wurde. Gegen das Geschäftsgebaren der DUH kündigte Verbandspräsident Karpinski an, im Rahmen des 4. Fabrikatshändlerkongresses in Berlin eine Petition zu verabschieden, um der EU-Kommission die prekäre Situation in Deutschland und die Dringlichkeit des Handelns vor Augen zu führen.

Als „vollen Erfolg für das Kfz-Gewerbe“ bezeichnete Karpinski die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, dass Fahrten mit Nutzfahrzeugen wie Probefahrten oder Überführungsfahrten nicht länger dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz unterliegen. „Durch die zahlreichen Eingaben unserer Verbandsorganisation bei den zuständigen Ministerien und Politikern konnte eine kostspielige und für den Betriebsalltag im Kfz-Gewerbe unnütze und überflüssige Weiterbildungsverpflichtung verhindert werden“, sagte Karpinski.

Horst Haese, Vorstandsmitglied des Landesverbandes, betonte in seinem Vortrag zur Berufsbildung, dass die Ausbildungsbetriebe im Kfz-Gewerbe, im Gegensatz zu Industrie und Handel, mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen hätten. Der AutoBeruf „Kfz-Mechatroniker/in“ konnte für das Ausbildungsjahr 2014 mit 1.400 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen Zuwachs von 4,3 % verzeichnen und beweist damit wieder zu Recht zur Spitze der beliebtesten Ausbildungsberufe zu gehören. Auch der AutoBeruf „Automobilkaufmann/-frau“ hätte mit einem erfreulichen Plus von 16,3 % deutlich zugelegt.

Ein ganz besonderes Projekt wurde unter dem Titel „Elektromobilität für Berufsschulen“ vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Weiterbildungsinitiative für die hessischen Berufsschulen. Dafür hat der Hessische Kfz-Verband extra ein Elektrofahrzeug angeschafft. „Hierbei soll aber nicht nur ein Fahrzeug herumgereicht werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Joachim Kuhn, „damit verbunden ist vielmehr eine Fortbildung der Berufsschullehrer und die Förderung der Berufsausbildung in fahrzeugtechnischen Berufsschulen, die über keine entsprechende Ausstattung verfügen.“ so Kuhn weiter. Der offizielle Start soll dann im Sommer durch Staatsminister Boris Rhein erfolgen.

Zum derzeit wohl interessantesten Branchen-Thema „EuroDFT“ referierte ZDK-Geschäftsführer Neofitos Arathymos, der mit Dirk Marichal von der ADIS Technology GmbH anhand einer Live-Präsentation an einem Fahrzeug den derzeitigen Stand des Projektes eindrucksvoll aufzeigte. Das EuroDFT ist ein Mehrmarken-Diagnosewerkzeug, bestehend aus einem handelsüblichen Computer und einem Kommunikationsgerät, mit dem der Kfz-Betrieb eine Brücke zwischen dem Kundenfahrzeug und den Datenplattformen der jeweiligen Fahrzeughersteller mit allen Reparatur- und Wartungsinformationen schlagen kann.

Der Geschäftsführer von „autorechtaktuell.de“, Rechtsanwalt Elmar Fuchs, zeigte den Delegierten die neuen Aspekte in der Schadenmanagementdiskussion auf. Dabei wurden die gegenüber den Kfz-Betrieben oft nachteilig agierenden Versicherungen wie auch die mittlerweile wieder aufgegebene Kooperation zwischen Eurogarant und „Schadenladen.de“ ins Visier genommen.

Als besonderen Gast hatte das Hessische Kfz-Gewerbe René Borbonus eingeladen. Der bekannte Rhetorik-Trainer sprach über „die Kraft der Rhetorik“ und darüber, was Vorträge interessant macht und was der Referent besser lassen sollte. Nach dem Motto „Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende, und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen“ lieferte Borbonus einen sehr unterhaltsamen Vortrag.

Letzte Änderung: 20.04.2016Webcode: 0097608